Die Autorin   -   Margarete Böhme (1867 - 1939) zur Startseite
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  Lebenslauf  
 
Geboren wurde Margarete Böhme als Wilhelmine Margarete Susanna Feddersen am 8. Mai 1867 in Husum. In der Langenharm-Straße 9, damals 5. Quartier Nr. 111.
Es war das Haus der Lena Wies, der Erzählerin und plattdeutschen Märchenfrau Theodor Storms. Lena Wies war die Tante von Margarete Böhmes Mutter. Ihr Schreibtalent und den nahezu unerschöpflichen Schatz ihrer Phantasie führte die Schriftstellerin auf diese Großtante Wies zurück. 
M.Böhme

Margarete Böhme

Fabulierkunst und Schreibtalent zeigten sich schon in der Jugend. Mit 17 Jahren veröffentlichte sie in einer Hamburger Novellenzeitung ihren ersten Roman: "Das Geheimnis der Rosenpassage". In schneller Folge schrieb Margarete Böhme dann weitere Romane und arbeitete journalistisch für norddeutsche und österreichische Tageszeitungen.
1894, mit 27 Jahren, heiratete sie den um 20 Jahre älteren Zeitungsverleger und Buchdruckereibesitzer Friedrich Theodor Böhme aus Boppard am Rhein. Schon nach sechs Jahren wurde diese Ehe geschieden.
Margarete Böhme übersiedelte mit ihrer sechsjährigen Tochter Katharina nach Berlin. Dort lebte sie von der Schriftstellerei. Vier Romane entstanden jährlich. 600 bis 800 Mark zahlten die Verlage, "ein Hungerlohn", so die Böhme. Bei dieser Arbeit verausgabte sie nach eigenem Bekennen ein großes Stück ihrer schöpferischen Kraft. Bessere Absatzmöglichkeiten für die Romane fand später der Dresdner Verleger Carl Reißner.
 
Das "Tagebuch einer Verlorenen" (1905) bedeutete für die Schriftstellerin dann einen neuen Abschnitt in ihrem literarischen Schaffen. Die Unterhaltungsromane, die bisher so leicht aus der Feder flossen, wollten fortab nicht mehr gelingen. Wie schon im Tagebuch wandte sie sich in ihren neuen Arbeiten nun sozialen Fragen zu.
Als ihr bestes und reifstes Werk bezeichnete die Schriftstellerin den Warenhausroman "Wagmus" (1907). Er wurde allerdings im Ausland besser aufgenommen als in Deutschland.
M.Böhme
1911 heiratete sie zum zweiten Mal: den Berliner Brotfabrikanten Theodor Schlüter, einen Witwer mit zwei Söhnen. Einer, Theodor Wilhelm, verheiratete sich 1922 mit ihrer Tochter Katharina aus erster Ehe.
Um 1930 übersiedelte Margarete Böhme von Berlin nach Hamburg-Othmarschen, wo ihre Tochter wohnte. Dort verstarb die Schriftstellerin am 23. Mai 1939 im Alter von 72 Jahren. Ihren Nachlaß verwaltet heute ihre in Husum lebende Enkelin.
Quelle: Jürgen Dietrich in den Husumer Nachrichten vom 20.Okt. 1987
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  Die Autorin des Tagebuchs ?  

Bei allem Mut, ein heißes Eisen anzufassen, war Margarete Böhme doch nicht verwegen genug, als Autorin des Buches aufzutreten.

Sie kannte die Gesellschaft wohl zu gut und fürchtete deren Reaktion: heuchlerische Empörung, danach gesellschaftliche Ächtung.

M.Böhme
So wählte die Schriftstellerin für ihren Roman die literarische Form des Tagebuches, dessen fiktives Original von der einer erdachten Ich-Erzählerin nach deren Tod lediglich von ihr überarbeitet und herausgegeben wurde.
Die Leser waren von der suggestiven Kraft dieses Werkes überzeugt. Sei meinten: Hier schildert eine Frau hautnah ihr persönliches Schicksal. Nicht zuletzt hat Margarete Böhme durch die Tagebuchform den Eindruck der Authentizität erweckt und mit "Milieu"-Schilderungen dem Ganzen Dokumentarcharakter verliehen.
An dieser von ihr - oder ihrem Verleger - einmal aufgebauten Version hielt die Schriftstellerin unverändert fest. Sie verzichtete 1935 auch lieber auf ihre Urheberrechte an diesem Werk, als sich als die wahre Autorin des "Tagebuch einer Verlorenen" zu bekennen. Nur wenige Menschen wussten von ihrer Urheberschaft, so ihr Verleger Friedrich Fontane und später ihre Tochter Katharina. Alle hüteten sie dieses Wissen wie ein Geheimnis.
aus dem Vorwort zur Neuauflage 1988 von Jürgen Dietrich, Husum, 1.8.1988
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  Weiterführende Literatur  

Am 11.8.1998 wurde in Husum vom 3. Fernsehprogramm des Norddeutschen Rundfunks - NDR 3 -  ein Kurzfilm über die Schriftstellerin Margarete Böhme eingespielt.

Daran wirkte u.a. Professor Bammé vom IFF mit (Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Universitäten Klagenfurt, Wien, Graz und Innsbruck).

M.Böhme    Margarete Böhme
Prof. Bammé hat im Rahmen des IFF-Projektes "Literatur und Soziologie" eine Studie zu Leben und Werk der Dichterin, die um die Jahrhundertwende eine der erfolgreichsten Autorinnen des deutschen Sprachraums war, vorgelegt. Die Studie ist im Profil Verlag, München und Wien, erschienen:
 
Bammé, Arno (Hg.):
Margarete Böhme.
Die Erfolgsschriftstellerin aus Husum
1994. 800 S. 'Profil' Ln DM 238,-

Quelle: IFF-Newsletter   -   Online-Buchbestellung: Bauer ∓ Lammla
Beim IFF ist folgende Publikation zu beziehen:
 
Literatur und Soziologie, Heft 4
Der literarische Nachlass der Husumer Erfolgsschriftstellerin Margarete Böhme (1867-1939).
Herausgegeben und eingeleitet von Arno Bammé.
Klagenfurt im März 1993 (öS 70,-, DM 10,-).

Bestellungen über: Andrea Laßnig, E-Mail: andrea.lassnig@uni-klu.ac.at

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