Das Tagebuch lieferte die Vorlage für zwei frühe Verfilmungen: zur Startseite
 
   
1929 unter der Regie von G. W. Pabst
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1918 unter der Regie von R. Oswald
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Darsteller:   Darsteller:  
Louise Brooks Thymian Erna Morena Thymian
Fritz Rasp Provisor Meinert Werner Krauss Provisor Meinert
André Roanne Casimir Osdorff Reinhold Schünzel Casimir Osdorff
Josef Rowensky Thymians Vater Paul Rehkopf Thymians Vater
Kurt Gerron Dr. Vitalis Conrath Veith Dr. Julius
Arnold Korff Graf Osdorff Max Laurence Der alte Graf
Sybille Schmitz Elisabeth Ilse Wejrmann Elisabeth
Franziska Kinz Meta Marie von Buelow Frau Kindermann
Vera Pawlowa Tante Frieda Frau Plessner Tante Frieda
Andrews Engelmann Heimleiter Marga Köhler Lene Peters
Valeska Gert Frau d. Heimleiters Stummfilm, Schwarz-Weiß
Edith Meinhardt Erika
Richard Oswald
1880-1963, geb. in Wien, eigene Prod.-Gesellschaft, viele erfolgreiche Filme, darunter:
Hoffmanns Erzählungen (1916), Das Bildnis des Dorian Gray (1917), Die Reise um die Erde in 80 Tagen (1919), Lady Hamilton (1921), Der Hund von Baskerville (1929), Der Hauptmann von Köpenick (1931), Ein Lied geht um die Welt (1933),...
Oswald emigrierte nach der Machtübernahme der Nazis in die USA.
Quelle: IMDb-Filmdatenbank
Siegfried Arno ein Gast
Jaro Fürth Notar Schütz
Hans Casparius Wurstmaxe
 
Drehbuch: Rudolf Leonhardt
Kamera: Sepp Allgeier
Uraufführung: 15.10.1929, Berlin
Stummfilm, Schwarz-Weiß, 100 Min.
 
  Weitere Informationen zu dem Film von G.W. Papst  
Gegenüber dem Roman wurde im Film der Plot wesentlich abgeändert und vereinfacht, wie folgende Inhaltsangabe aus dem Reclam-Filmführer zeigt:
Thymian, die Tochter des Apothekers Hennig, wird vom Provisor verführt und bekommt ein Kind. Die entsetzte Familie nimmt ihr das Kind fort und steckt Thymian in ein Heim, wo die Mädchen vom Heimleiter und der Erzieherin sadistisch gequält werden. Zusammen mit einer Freundin und mit Unterstützung des Grafen Osdorff, der sie liebt, flieht Thymian aus dem Heim. Als sie erfährt, dass ihr Kind tot ist, macht sie in einem zwielichtigen Restaurant als Kokotte Karriere. Nach dem Tod ihres Vaters erbt sie dessen Vermögen. Sie verzichtet jedoch zugunsten ihrer kleinen Stiefschwester, um ihr ein Schicksal wie das ihre zu ersparen. Als Osdorff von diesem Verzicht hört, stürzt er sich aus dem Fenster. Thymian lernt den Onkel des Grafen kennen, der sich in sie verliebt und sie heiratet. Als Mitglied eines vornehmen Kommiteés zur Rettung gefährdeter Mädchen muss sie nun auch das Erziehungsheim inspizieren, in dem sie selbst einst gewesen ist. Sie bekennt sich dort zu ihrer Vergangenheit, um den Mädchen und speziell ihrer wieder eingelieferten Freundin helfen zu können. Der Schlusstitel verheißt: "Ein wenig mehr Liebe, und niemand kann mehr verloren sein auf dieser Welt."
 
Quelle: Reclams Filmführer, Dieter Krusche Verlag Phil. Reclam jun. Stuttgart 1973
Der Film konzentriert sich auf die Gegenüberstellung der beiden Welten "Erziehungsanstalt" und "Bordell" - in durchaus brisanter Weise...
Eine sarkastische Abrechnung mit bürgerlicher Doppelmoral. Interessant ist, dass der Regisseur eigentlich ein anderes Ende geplant hatte, das jedoch von der Zensur und seiner Produktion gestrichen wurde: Thymian sollte allen gesellschaftlichen Konventionen den Rücken kehren und Chefin des Bordells werden. Wie Siegfried Kracauer in seinem epochalen Werk über die Filmgeschichte schreibt, bringt Pabst "...die Immoralität des Mittelstandsmilieu aufs Tapet, dass das Bordell fast wie ein Kurort erscheint." Die moralischen Kategorien, Thema "par excellence" jedes Melodrams, haben hier keine Bedeutung. Die Elemente der Kolportage werden bei Pabst zu einem Alptraum der bürgerlichen Welt, die er durch das erstaunlich moderne und natürliche Spiel seiner Hauptdarstellerin entlarvt. "...Louise Brooks ist, vergleichbar den Statuen der Antike, jenseits aller Zeiten... Sie ist die Intelligenz des kinematographischen Prozesses. Sie ist die perfekteste Inkarnation des 'Photogenie'; sie verkörpert all das, was das Kino in seinen letzten stummen Jahren wiedergefunden hat: totale Natürlichkeit und totale Einfachheit.", so schrieb Henri Langlois 1955 im Katalog seiner Ausstellung "60 Jahre Kino.
Pressetext ZDF, Quelle: Filmdatenbank MOVIELINE
Nach seiner Aufführung wurde der Film am 5.12.1929 zunächst verboten. Aus der Begründung der Filmoberprüfstelle Berlin:
Durch die ebenso plumpe wie krasse Gegenüberstellung der abstoßenden Bilder in der Erziehungsanstalt, wo die Verhältnisse gezeigt würden, die wohl nur in der Phantasie der Hersteller existieren, mit dem ebenso verzerrt gezeichneten Leben in einem Bordell, das als leicht, schön, bequem, ja geradezu erstrebenswert und verlockend erscheine, werde in dem Beschauer eine völlig falsche Vorstellung der Wirklichkeit erweckt. "
Am 6.1.1930 wurde der Film wieder zur Aufführung freigegeben - allerdings gekürzt und mit Jugendschutz-Auflagen, wie folgende Mitteilung des Deutschen Filminstituts zeigt:
Am Donnerstag, den 9.9. zeigt das DIF seine in Zusammenarbeit mit der Cineteca Communale de Bologna und der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung rekonstruierte Fassung von Georg Wilhelm Pabsts Tagebuch einer Verlorenen von 1929 nach einem Roman von Margarete Böhme. Die Hauptrollen spielen Louise Brooks, Fritz Rasp, Valeska Gert und Andrews Engelmann. Der Film erregte insbesondere wegen seiner Darstellung des Bordells als positive, von Freude und Zärtlichkeit geprägte Gegenwelt zur gesellschaftlichen „Normalität" Ärgernis in konservativen Kreisen. Die Zensur verhängte 1929 gravierende Schnittauflagen, der Film musste auf zwei Drittel seiner ursprünglichen Länge gekürzt werden Eine erste Schnittfassung des aus Materialien mehrerer europäischer Archive wiederhergestellten Films wurde bei der Retrospektive ´Georg Wilhelm Pabst´ 1997 in Berlin präsentiert. Danach gingen die Restaurierungsarbeiten weiter. Nun liegt der Film, ergänzt um die komisch-frivole Gymnastik-Szene mit Siegfried Arno, in nahezu vollständiger Fassung vor.
Quelle: www.filminstitut.de
Film-Poster USA In den USA lief der Film unter dem Titel "Diary of a lost girl".
Thymiane is a beautiful young girl who is not having a storybook life. Her governess, Elizabeth, is thrown out of her home when she is pregnant, only to be later found drown. That same day, her father already has a new governess named Meta. Meinert, downstairs druggist, takes advance of her and gets Thymiane pregnant. When she refuses to marry, her baby is taken from her and she is put into a strict girls reform school. When Count Osdorff is unable to get the family to take her back, he waits for her to escape. She escapes with a friend and the friend goes with the Count while she goes to see her baby. Thymiane finds that her baby is dead, and the Count has put both girls up at a brothel. When her father dies, Thymiane marries the Count and becomes a Countess, but her past and her hatred of Meta will come back to her.
Summary written by Tony Fontana, IMDb-Filmdatenbank
 

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