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1886, in G...
Die 14jährige Thymian bekommt ein Tagebuch. Als verspätetes Geschenk zur Konfirmation, von Tante Lehnsmann. "Es sei so sinnig für ein junges Mädchen," sagte sie. Und so billig, dachte ich. Aber nun es einmal da ist...
Also zuerst Vorstellung: Ich heiße Thymian Frauke Katharine Gotteball und bin die Tochter des Apothekers Ludwig Erhard Gotteball in G....., einem kleinen, propren Städtchen von 2000 Einwohnern in der Marsch. Die Straßen sind alle schnurgerade und sehr sauber. Gras wächst nicht zwischen den Steinen und die Hühner laufen auch nicht auf dem Pflaster umher.
 
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Die Häuser sehen alle so geleckt und glatt aus wie Männer, die eben vom Barbier den Bart abgenommen bekommen haben. Verflucht langweilig ist es in G.....
 
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Es passiert nicht viel in G., aber "ich will denken, ich wäre eine berühmte Persöhnlichkeit und schreibe meine Memoiren. Dabei ist ja wohl dann das Unwesentlichste wichtig." Wenn ein Wagen durch die Straße fährt, läuft alles an die Fenster. Des Abends sitzen die Leute auf Bänken vor der Türe und schwatzen mit Nachbarn über andere Nachbarn. Und wenn die andern Nachbarn dann dazukommen, reden sie wieder über andere Nachbarn. Denn "Nachbar" ist hier alles.
 
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Als ich zehn Jahre alt war, wurde Mutter so krank, dass der Doktor sie nach Davos schickte. Ein ganzes Jahr blieb sie da. Erst fehlte sie mir sehr, aber nachher vergaß ich sie beinahe. Es war während der Zeit sehr lustig bei uns. Vater hatte viel Besuch eingeladen. Die Verwandten kamen auch zuweilen, aber die sind weniger amüsant.  
 
 
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