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Dann ist da Elisabeth, die neue Haushälterin. Eine ganz Nette, meint Thymi. Wäre doch gelacht, wenn die sich nicht mit Vater verkuppeln ließe. Er mag sie, und sie mag ihn. Aber dann wird Elisabeth immer stiller. Herr Meinert, Vaters Provisor in der Apotheke, weiß schon, warum. Wie ich da sitze, kommt der Polizist Hahnhaus in voller Karriere daher, sieht mich, stutzt und kommt auf mich zu.
"Ach, Fräulein Gotteball," sagte er, "unten an der Schleuse ist ein Unglück passiert. Da hat sich eine Frauensperson ertränkt und der Nachtwächter Hinz, der sie aufgefischt hat, meint, es wäre Ihre Haushälterin. [...] Es war Elisabeth... Ich kannte sie an ihren Kleidern, die wie ein nasses Tuch um ihre Glieder klebten; ihr Gesicht hätte ich vielleicht nicht erkannt, es sah entsetzlich aus, grünschmutzig, die Augen starr aufgerissen, wie versteinert im Todeskampf, die Züge verzerrt, der Mund offen.
 
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"Warum hat sie das getan, Herr Meinert? Warum hat sie es nur getan?" sagte ich. "Sagen Sie mir alles, wenn Sie es wissen."
Er streichelte mir mit der rechten Hand die Wangen und küsste mich und obgleich es sich nicht schickt, ließ ich es geschehen, ich war so verwirrt und durcheinander, dass ich an nichts dachte...
 
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Die folgende Nacht. Thymian erwacht aus einem Alptraum. Meinert hat ihr Schreien gehört und kommt zu ihr ans Bett. ...Und dann erzählte er mir, dass die Elisabeth in anderen Umständen gewesen sei. Und ich dürfte deshalb nicht schlecht vom Vater denken. Es sei einmal so, dass ein gesunder Mann in seinen Jahren die Frauen brauchte, ebenso wie die Frauen die Männer brauchten, das sei eine Einrichtung der Natur, die sich nicht verleugnen lasse. Vater benehme sich sehr nobel gegen die Frauenzimmer, bezahle ihnen das Wochenbett und tausend Mark Schmerzensgeld und sorge für das Kind bis zur Konfirmation...
 
 
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