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Thymian ist Siebzehn,
wohnt und arbeitet jetzt in der Besserungsanstalt von Pastor Daub und seiner Gattin Ulrike. In G..., einem kleinen Dorf bei Lübeck.

Ich werde nie mehr mit einem Fuß die Kirche betreten, wenn ich hier weg bin [...]
Ich wollte, ich hätte Zeit, die Predigten hier wiederzugeben. Vielleicht mal später. Immer mit derselben Technik und nach der gleichen Schablone: Ihr seid allzumal Sünder! Höllenhunde, Satansbraten, reif für die Schmorpfanne der infernalischen Bratöfen. Und dann als Finale der ölig fließende Honigseim, göttliche Gnadenverheißung, Liebe, Liebe, Liebe.
 
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Nun, wenn diese verheißene göttliche Liebe Ähnlichkeit mit dem von der Firma Daub und Konsorten verzapften Artikel gleicher Etikette hat, möchte ich ergebenst danken...
 
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Besuch ist angesagt. Aber Thymian muß auf ihrem Zimmer bleiben. Es wäre "eine unerhörte Taktlosigkeit", sie mit den "jungen unschuldigen Töchtern eines Amtsbruders zusammenzubringen" - meint Pastor Daub. Ich hab bisher nie richtig über die Konsequenzen meines Unglücks nachgedacht. Es ist mir noch nicht bewusst geworden, dass ich damit für immer aus den Reihen der gesellschaftlich für voll Geltenden, der anständigen Frauen und Mädchen, ausgeschieden bin [...]
"Unser Gott" hat einen Januskopf mit zwei Gesichtern. Das eine, Liebe und Vergebung verheißend, ist für die Guten, die Kindlich-Gläubigen, Niestrauchelnden, die eigentlich gar keine Vergebung nötig Habenden. Und das andere [...]
 
 
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