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1890
Thymian, achtzehn, ist zu ihrer Freundin Konni nach Hannover geflohen. Deren Freundinnen sind alle "von einem gewissen Odium umgeben". Vor allem Frau Anna Kindermann bemüht sich, Thymian in ihren Kreis zu ziehen.
Wir speisten sehr gut zu Abend. Es gab Pasteten und Bouillon, nachher Hummermayonnaise, dann Fasan und Kompott und zuletzt eine glacierte Bombe mit gefrorenen Sektfrüchten. Das Massieren muss viel Geld einbringen, dass Frau Kindermann es so dick haben kann [...]
Ich bekam einen richtigen Schwips und wurde sehr ausgelassen. Herr Glimm packte mich um und tanzte mit mir durch das Zimmer, und setzte mich plötzlich mit einem Schwung wieder aufs Sofa neben Herrn Kirschbaum, der fasste mich um den Hals und wollte mich küssen, aber da verstand ich keinen Spaß [...]
 
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Herrjeh, wenn ich so Toiletten hätte wie Konni und die Kindermann! Das heißt nicht nur Kleider und Hüte, nein alles: ganz, ganz spinnwebfeine Wäsche mit Spitzen, seidene Strümpfe, rauschende Unterröcke in allen Regenbogenfarben, Atlaskorsetts und die feinen Parfüms, die einen wie eine zarte, diskrete Duftwolke umhüllen...
Ich glaube wirklich, man kann glücklich sein, wenn man so zu leben versteht. [...]
 
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Plötzlich scheint das Leben ganz einfach zu sein. Thymian gefällt den Männern. Zwar hat sie dem Kirschbaum ein Glas Sekt in den Hemdkragen geschüttet, und dennoch... Herr Glimm schickte mir einen Tag nach dem Abend bei Frau Kindermann ein Bukett und eine Einladung zum Souper am anderen Abend. Ich überlegte stark, ob ich annehmen sollte oder ablehnen. Nachher kam die Kindermann und redete zu. Da schrieb ich denn zu. Herr Glimm holte mich ab. Wir speisten chambre sépareé. Sehr fein. Und es wurde viel Cliquot getrunken. Nachher wurde er ein bisschen zärtlich, was ich mir, da es mir nicht übel gefiel, gefallen ließ.
 
 
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