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Thymian schafft an.
Als "Halbseidene" - die Bezeichnung für nichtkontrollierte Mädchen.
Die Mädchen mit ihren Männern haben ihre ganz bestimmte Organisation untereinander, und im großen ganzen herrscht eine gewisse Solidarität unter ihnen. Zwischen den Kontrollierten und uns Halbseidenen ist äußerlich kein wahrnehmbarer Unterschied. Jede Halbseidene umgeht natürlich die Sitte wie die Pest, obgleich bei den Kontrollierten eben diese wahnsinnige Angst vor dem Abgefangenwerden fortfällt.
 
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[...] Die Untersuchungen an sich sind ja nicht so schlimm, aber wiederum hält es auch furchtbar schwer, die Sitte wieder abzuschütteln. Und dann das Unterkommen! Das ist ein furchtbarer Punkt. Hält es schon für uns schwer, ein Logis zu finden, bei den Kontrollierten ist es geradezu ein Dilemma, auf die Wohnungssuche zu gehen. [...] Die Hauswirte haben ein zu großes Risiko dabei, da sie, wenn ein Mädel mit der Polizei in Konflikt kommt, immer Gefahr laufen, sich eine Kuppeleianklage zuzuziehen.
 
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Ich denke manchmal, warum die Polizei durch die Kontrolle das Gewerbe eigentlich gewissermaßen sanktioniert, wenn sie den Mädchen nicht zu wohnen gestattet. Diese schwindelnden Mieten aufzubringen ist ja schrecklich schwer und für manche ganz unmöglich [...] Ich muss zum Beispiel viertausend Mark Einkommen versteuern und bin als Sprachlehrerin angemeldet. Ob sich die Steuerbehörde über das Einkommen einer Sprachlehrerin in der Zimmerstraße wirklich solche Illusionen macht? Oder ob sie sich ihr Teil denkt?
 
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[...] Ich hatte mir unter einem Louis auch nur einen Menschen vorgestellt, der den Mädeln die Kunden zuführt, sie beschützt, rabiate oder zahlungsfaule Klienten mit sanfter Gewalt auf ihre Berappungspflicht aufmerksam macht und im übrigen im Verhältnis eines Sklavenhalters zu den Mädchen steht. Das alles kommt ja auch gewiss vor, aber meistens ist das Verhältnis der Mädchen zu diesen sogenannten Zuhältern das natürliche eines Mädchen zu seinem Liebhaber.  
 
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  Es ist ja auch erklärlich. In jedem Mädchen steckt doch das Weib mit seinem Anlehnungsbedürfnis, seiner Liebessehnsucht, die in der rein gewerbsmäßigen Handhabung des geschlechtlichen Verkehrs keine Befriedigung findet. Mir selber geht es so: Was würde ich darum geben, wenn ich nur  e i n e n, nur einen  e i n z i g e n  Menschen in der Welt hätte, der zu mir gehörte, an den ich mich anschließen könnte, von dem ich wüsste: Er ist für mich da und ich für ihn.
 
 
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