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1895, Berlin
Ein neuer Anlauf zurück in ein "ehrbares" Leben. Thymian hat ihren Jugendfreund Casimir Osdorff zu sich geholt und zur Heirat überredet. Sie betreibt eine richtige Pension in der Schellingstraße.
Ich hab's ja vorausgesehen mit Casimir. Der Mensch ist mein Verhängnis. Ich hab's gewusst, dass er sich nicht halten wird. Schon seit Wochen war er liederlich, kam erst in der Nach nach Hause, besoff sich und ich konnte nicht herauskriegen, wo er sich herumtreibt. Sonntag vor acht Tagen war ich bei Frau X... in Schlachtensee zum Geburtstag eingeladen und hatte hinterlassen, dass ich wahrscheinlich etwas später, also nicht vor zehn, nach Hause kommen würde. [...]
 
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Mir schwebte gleich nichts Gutes vor, und ich ging hinein und fand niemand im Esszimmer und mein Schlafzimmer war verschlossen, da wusste ich gleich Bescheid, aber ich machte so lange Spektakel und drohte mit der Polizei, bis sie aufmachten. Da lag das Frauenzimmer entkleidet in meinem Bett und rauchte, und Casimir lief im Bademantel umher und war total betrunken und konnte kaum sprechen.
 
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Thymian ruft das Zimmermädchen zu Hilfe, "so peinlich es mir war"... [...] und da haben wir sie aus dem Bett geschmissen, und ich drohte, dass ich sie in ihrem Evakostüm die Treppe hinunterwerfen werde, worauf sie es denn vorzog, schleunigst in ihre Kleider zu fahren und zu verduften, nicht ohne fürchterlich zu fluchen und zu schimpfen, wobei Casimir ihr assistierte und mir in Gegenwart des Mädchens zuschrie, ich sei ja nichts Besseres, im Gegenteil [...]
 
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[...] Ich entsinne mich nicht, die Person je gesehen zu haben, nachher erfuhr ich, dass sie in der Elsässerstraße wohnt und Casimir schon lange mit ihr geht, und ich wusste ja auch gleich, dass damit unser Schicksal besiegelt ist. Und so war es. [...] Richtig, drei Abende später kommt Casimir in Begleitung eines Zuhälters und zweier Mädels nach Hause. [...]
Im Laufe des Abends kamen dann zehn Personen und es wurde ein wüstes Gelage, sie gingen über Tische und Stühle, und vollführten einen Lärm, dass meine sämtlichen Pensionäre zusammenliefen und sich entsetzt erkundigten, was los sei;
 
 
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