zurück S.205:     wohl Lust, mal wieder ein bißchen zu abenteuern... Startseite
 
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1897
Als Kurtisane des reichen Graf Y - sie soll ihn Otto nennen - bekommt Thymian eine Fünfzimmer-Wohnung am Kronprinzenufer. Bis zum Umzug wohnt sie im Zentralhotel.
Aber es ist so schrecklich langweilig, obgleich mein Zimmer nach der Friedrichstraße schaut und es recht unterhaltsam ist, am Fenster zu sitzen und hinauszuschauen, aber schließlich wird auch das öde. [...] Ich stehe oft abends im Dunkeln am Fenster und sehe auf das Treiben der Straße und beobachte die Mädchen, wie sie schrittweise auf und ab gehen und den Männern ihr Fleisch anbieten, und dann quillt etwas in mir auf, ich kann es nicht bezeichnen, [...]
 
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Manchmal hätte ich wohl Lust, mal wieder ein bisschen zu abenteuern, so ganz en passant mal ein kleines Intermezzo mitzumachen zu Auffrischung, aber einmal fürchte ich mich vor Otto, und zweitens macht es mir Spaß, irgend 'n Frechdachs, der sich an mich heranwagt, dann von oben herab abzuwimmeln, dass er wunder meint, wie groß er sich geschnitten hätte.
 
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Bei einem Aufenthalt in Wien ist Thymian "viel mir selbst überlassen" und lernt einen Dr. Martin kennen, im Cafe Scheidl. Er will ihr "Wien bei Nacht" zeigen. Dann gingen wir in ein Kellerlokal in der Nähe des Stephandom, das anscheinend nur Eingeweihten bekannt ist [...]
Es war gewiss kein erquickliches Bild, dieser "moderne Sklavenmarkt", und doch - und doch... der heiße, süßliche österreicher Wein ging mir ins Blut, und ich schloss unwillkürlich die Augen und lauschte auf die prickelnde, feurige, laute Musik, die die Sinne aufquirlt, und spürte etwas in mir, das ich nicht anders als etwas "Heimatliches" bezeichnen kann; das Gefühl meiner Zugehörigkeit zu dieser Welt machte sich in mir bemerkbar und verursachte mir eher eine Art Wohlbefinden denn Unbehagen. Ich glaube, wer einmal diese Luft atmete, dem setzen sich ihre Bazillen ins Blut wie eine Krankheit, die niemals ausheilt, [...]
 
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Es wird und kann nicht so bleiben. Ich habe zu heißes, unruhiges Blut, um in der Einsamkeit und Stille dieses Lebens auszuharren. Ich habe zu viel Zeit zum Grübeln, und das macht mich verrückt. [...] Dann wieder denke ich auch: Halt 's aus. Allzu lange dauert 's doch nicht mehr. Ich werde doch nicht alt. Nimm nur mit, was sich dir noch bietet - - -  
 
Wird Thymian rückfällig werden?
Im Straßenstrich enden
- oder Julius, ihre große Liebe, heiraten?
Kinder bekommen,
als wohltätige Dame alt werden
oder wie Elisabeth ins Wasser gehen?
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