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  Fritz Lüneburg, Lektor  
Wie erklärt sich die erstaunliche Wirkung dieses Buches? Die "Verlorene" ist nicht nur einfach Melodram oder Rührstück. Wohl hat Klage - und Anklage - viel Bedeutung und gewicht. Ihre Erfahrungen, obwohl weithin tödlich deprimierend, geben der jungen Frau aber auch eine Art von zornigem Selbstbewusstsein, besonders denen gegenüber, die "keine Ahnung haben". Und schließlich spielt so etwas wie Galgenhumor eindrucksvoll mit hinein; deutlich und authentisch, auch im Jargon, berlinerisch-keß gefärbt.
 
Aus all dem ergibt sich ein überzeugend wirklichkeitsnahes Persönlichkeits- und Zeitbild, welches damals geradezu einen Kult auslöste und auch heute noch, oder wieder, zum Nachdenken anregen kann - über die Rolle der Frau in der Gesellschaft in ihrer Entwicklung und über manches mehr. Seit der Kronacherschen Neuauflage ist es wieder zur Diskussion gestellt - und diese auf jeden Fall wert.

Fritz Lüneburg ist Germanist und Lektor des Kronacher Verlags.

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  Husumer Nachrichten, Jürgen Dietrich  
In einer fast bedrückenden Lebensnähe, meist in kunstloser Form, schilderte Margarete Böhme im "Tagebuch" den Lebensweg der Apothekerstochter Thymian Gotteball "aus dem kleinen Städtchen G in der Marsch" Mutterlos aufgewachsen wurde sie zur Straßendirne und später zur gräflichen Mätresse. Die Böhme-Arbeit führt mitten hinein in die Prostitution und enthält viele lebensechte Szenen. Wohl zum erstenmal wurde durch einen Schriftsteller in schonungsloser Offenheit in ein Milieu eingeführt, das tabuisiert und von der Gesellschaft verdrängt wurde.
[...]
Margarete Böhme beschrieb die Prostitution als die bewegendste Frauenfrage überhaupt. Es lag ihr sehr daran, eine bisher verborgene Problematik aufzudecken und sie in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Das gelang ihr: Nach einer ersten positiven Besprechung des Buches in der Frankfurter Zeitung schnellten die Auflageziffern sprunghaft in die Höhe. Das aus vielen Einzelstimmen gefilterte Urteil der Leser: Das Buch hat erschüttert und bis in die Tiefen der Seele aufgewühlt und erregt. Die Presse reagierte auf den Roman durchgängig wohlwollend, zum Teil sogar enthusiastisch anerkennend.

Ausgabe von 10. Oktober 1987

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  Mainpost Würzburg, Silvia Eidel  
Die Auseinandersetzung Thymians mit ihrer Situation findet im Tagebuch statt, so als wäre die Autorin Margarete Böhme persönlich betroffen gewesen. Als wäre sie selbst angegriffen, als müsste sie selbst die Erniedrigungen ertragen, so leidenschaftlich schrieb sie die Erfahrungen der jungen Frau nieder.
 
Neben der sozialen Frage griff Margarete Böhme ein Thema auf, das das bewegenste Frauenproblem jener Zeit war: Die völlige Abhängigkeit der Frau vom Mann, der in allen bereichen des Lebens dominierte. Durch Denkanstöße versuchte Margarete Böhme, tabuisierte Bereiche anzusprechen, aber auch moralische Verkrustungen aufzubrechen.
 
Dass die Autorin mit dem Deutlichmachen der moralischen Zwiespältigkeit jener Zeit ein auch heute noch aktuelles Thema anspricht, beweist der große Erfolg der Neuauflage.

Silvia Eidel in einem Artikel der Mainpost Würzburg, 1988

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  Ruhr-Nachrichten Dortmund  
In zum Teil einfacher Sprache schildert Margarete Böhme den Weg des Mädchens. Die Tagebuchform gibt der Geschichte Authentizität und bedrückende Lebensnähe. Die Erzählweise unterstreicht die Entwicklung Thymians: Naiv dort, wo das Mädchen noch unverdorben ist, derb und direkt, wo Thymian in die Prostitution rutscht. Die Eindringlichkeit der Worte lässt den Leser mit der Tagebuchaufzeichnerin leiden.
 
Die entlarvende Offenheit, mit der dieses soziale Problem angesprochen wird, macht nachdenklich. Thymian fällt, die Mitbürger sehen sie fallen, aber niemand hilft. Im Gegenteil, die Gesellschaft schweigt das Thema Prostitution tot. Das Mädchen wird aus der Gesellschaft ausgeschlossen.
 
[...] Das "Tagebuch einer Verlorenen" ist gnadenlos. Es wurde trotzdem ein Bestseller und erlebte viele Auflagen. Das Buch geht unter die Haut.

Susanne Weberling in ihrer Rezension in den Ruhr-Nachrichten, 1988

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  BZ Berlin  
Ein Mädchen aus gutem Haus wird zur Prostituierten in der Weltstadt - und Hält alles, was ihm widerfährt, in einem Tagebuch fest. 1905, als es zum ersten Mal erschien, erschütterte es - und auch jetzt macht es wieder betroffen. Am Beispiel der erfundenen Thymian Gotteball wollte die Autorin die Überheblichkeit und Dominanz des Mannes gegenüber der Frau aufzeigen. Was sie schilderte, ist in vielen Dingen auch heute noch aktuell. Die Autorin hatte ihr leben lang Angst vor der eigenen Courage, ein Tabu zu brechen. Bis zuletzt schrieb sie das Tagebuch "einer Toten" zu, stand sie nur als "Herausgeberin" fest.

BZ in der Ausgabe vom 20. September 1988

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